Mai 2026

Mit Paul Kauzmann am Mittelmeer

Der Sommer ist Urlaubszeit. Schon vor über 100 Jahren zog es diejenigen, die es sich leisten konnten unter anderem ans Mittelmeer. Den Weg aus Geislingen nach Korsika fand der bekannte Künstler Paul Kauzmann, der seine Impressionen im Bild festhielt.

Mit dem Namen Kauzmann verbindet man in Geislingen meist zuerst das Handwerk der Beindrechsler – kein Wunder, zählten doch die Nachfahren von Franz Kauzmann, der aus Schwabach stammend 1787 in die Geislinger Beindrechslerfamilie Eberhardt einheiratete, zum Ende des 19. Jahrhunderts zu den erfolgreichsten Unternehmern in diesem Gewerbe. Wie schon Jakob Frühholz um 1800, so ragte 100 Jahre später mit Paul Kauzmann wieder ein einzelnes Mitglied einer Beindrechslerfamilie mit besonderem künstlerischen Talent hervor. Der 1874 geborene Urenkel von Franz Kauzmann brach ein begonnenes Studium der Naturwissenschaften ab und ergriff den Beruf eines Lehrers an der Oberrealschule Böblingen. Einer einjährigen Beurlaubung und dem gut bürgerlichen Hintergrund seiner Familie verdankte er die Möglichkeit ausgedehnter Reisen, unter anderem in die USA, nach England und nach Italien. Erst ab 1907 widmete er sich ganz der Kunst und machte sich als Maler selbständig. Die Werke des späteren Kunstprofessors wurden unter anderem im Münchner Glaspalast gezeigt oder in der bekannten Zeitschrift „Gartenlaube“ abgedruckt. Bis zu seinem Lebensende 1951 in Kaufbeuren blieb er aber der Heimat treu und präsentierte auch im Alten Bau in Geislingen immer wieder seine Werke.

Wann genau er einen Aufenthalt in Korsika künstlerisch verarbeitete bleibt unklar. Der eindrucksvolle Blick über einen mediterranen Festungsturm und eine Küstenlinie hin zum in der Ferne verschwimmenden Mittelmeer veranschaulicht eine seiner Spezialitäten: die Auflösung eines Hintergrunds am Horizont durch das Verschwimmen in der Ferne – eine Perspektive die auch bei zahlreichen Interieurs mittels Blick aus einem Fenster Anwendung fand.

Das Bild mit Blick über die Küste Korsikas erhielt das Museum erst im April 2026 als Schenkung seiner Nachfahren, zusammen mit zwei weiteren Werken Kauzmanns, die in nächster Zeit abwechselnd in der Dauerausstellung des Museums zu sehen sind.

 

Gemälde: An der Küste Korsikas

Prof. Paul Kauzmann, 1. Hälfte 20. Jhd.

Museum im Alten Bau