Juli 2026

Die „Geislinger Steige“ an der Westfront

Schon vor über 100 Jahren war die Geislinger Steige als zentrale Verkehrsverbindung in Süddeutschland berühmt. Ihr legendärer Name fand sogar Eingang in deutsche Militärkarten des Ersten Weltkriegs.

In den Schützengräben des Ersten Weltkrieges endete die Epoche des „Langen 19. Jahrhunderts“, das für Geislingen mit dem Eisenbahnbau und der Industrialisierung neue Wege ebnete. Auch Männer aus der Fünftälerstadt und ihrer Umgebung kämpften, litten und starben an der Westfront im Kampf gegen französische, englische und später auch US-amerikanische Truppen. Im Stellungskrieg wurde dabei das System der Laufgräben, Schutzräume und Verbindungswege immer ausgefeilter – galt es doch dem Feind und seinen Artilleriegeschossen möglichst kein Ziel zu bieten. Versorgt wurden die vorderen Linien durch zahllose Gräben die vom Schlachtfeld führten. Um inmitten der Zerstörungen den Soldaten die Orientierung zu erleichtern erhielten diese Wege Namen, die auch entsprechend ausgeschildert waren.

Das Objekt des Monats Juli, eine deutsche Armeekarte des Argonnen-Waldes vom Mai 1917 zeigt die Lage der „Geislinger Steige“ als Verbindungs- und Annäherungsgraben zwischen der „Eselsnase“ und der „Nerlich-Schlucht“, unweit des „Adlergrabens“ und des „Bülowgrabens“. Ähnlich des schwäbischen Vorbildes schlängelte sich diese „Geislinger Steige“ entlang eines schmalen Tals nach oben, war jedoch deutlich kürzer, schmaler und überwand eine geringere Höhe. Sie war Teil eines Grabensystems, das zu Beginn und gegen Ende des Kriegs hart umkämpft, im Frühsommer 1917 jedoch nahezu erstarrt war. Vor Ort erinnert heute nichts mehr an diese „Geislinger Steige“, obwohl etwas unterhalb ein touristisch genutzter Weg rund um den Ort Vienne-le-Chateau und den kleinen Weiler La Harazée führt. Ein idyllischer See und dichte Wälder prägen heute Hänge um die einst hart gekämpft wurde und wo tausende junge Männer ihr Leben verloren. Die Militärkarte und die Spuren ihres Gebrauchs im Feld gehören zu den wenigen Objekten die noch heute an diese „Geislinger Steige“ erinnern.

 

Militärkarte „La Harazée II (Blatt 11a)“

o.O., Mai 1917

Museum im Alten Bau