Februar 2026
Die Gassen der Altstadt – im Foto verewigt
Nicht nur im Geislinger Stadtarchiv, sondern auch in der Sammlung des Museums im Alten Bau findet man sie: Fotografien, die die Stadt und ihr Aussehen in früheren Zeiten dokumentieren.
Schon im 19. Jahrhundert entstanden auch in Geislingen erste Fotografien, die die Fünftälerstadt und ihr Umfeld zeigen. Dabei überwiegen in der Überlieferung „Klassiker“ wie Familien- und Einzelportraits, Gruppenbilder von Vereinen und Zusammenschlüssen oder auch Belegschaften von Betrieben. Dennoch gibt es auch Fotografien die das Alltagsleben in der Stadt dokumentieren, sei es im Blick von den Höhen des Albtraufs oder durch das Festhalten von Situationen in den Gassen der Oberen Stadt. Zu letzteren gehört das Objekt des Monats Februar, das um 1910 entstand. Vom Niveau der Helfensteinstraße aus führt der Blick vorbei am Kohnschen Haus durch die Hansengasse in Richtung Stadtkirche. Sie erhebt sich am Ende der schmalen Lücke zwischen dem Gasthaus zur Post und der Geislinger Zeitung. Auf diese Weise dokumentiert das Bild den Bauzustand dieser Straßen. Ebenso erkennt man aber auch den Nutzen des Straßenraums zu damaliger Zeit. Kinder und Jugendliche verschiedenen Alters spielen getrennt voneinander, wobei in der Bildmitte auch ein Puppenwagen zum Einsatz kommt. Die Heranwachsenden sind dabei im Blick von mehreren Passanten und einem Handwerker, der vor dem Kohnschen Haus arbeitet. Bei der Bearbeitung einer Holzplatte oder Tür auf Böcken wurde, wie bei vielen anderen Gewerken auch, die Fläche und das Tageslicht des freien Straßenraumes genutzt. Das im Bild herrschende sommerliche Wetter kam ebenso dem Lüften der Federbetten zu Gute, das aus mehreren Etagen des Gebäudes rechts im Bild hängt.
Die gelungene Bildkomposition führte dazu, dass die Fotografie als Postkarte verschickt wurde, wie hier gezeigt im Siebdruck als gerahmtes Bild Verbreitung fand und noch heute immer wieder in Publikationen und Ausstellungen rund um den Themenkomplex der Geislinger Altstadt erscheint. Für den hohen Wert der Denkmalsubstanz in der Stadt spricht wiederrum, dass auch noch im 21. Jahrhundert dieser Blick in die Hansengasse in Richtung Stadtkirche nachempfunden werden kann. Sieht man von kleineren Umbauten ab, so wurden einzig die Gebäude der Geislinger Zeitung und das Gasthaus zur Post in knapp 100 Jahren durch Neubauten ersetzt. Sowohl die übrigen Häuser links und rechts der Blickachse als auch die Stadtkirche sind noch heute erhaltene Zeugen der Zeit als die Fotografie entstand.
Fotografie: Blick in die Hansengasse
Geislingen, um 1910