April 2026

Die Gardeinfanterie aus Zinn

Spielzeuge bilden einen besonders spannenden Teil der Museumssammlung. Unter ihnen finden sich auch im Alten Bau Exemplare, die schon vor über 100 Jahren faszinierten. Eine Gruppe Zinnsoldaten steht dabei auch stellvertretend für den Zeitgeist der Epoche ihrer Entstehung.

In Reih und Glied marschieren sie auf: zwölf Soldaten der Preußischen Gardeinfanterie, angeführt von begleitet von einem Offizier, einem Trompeter und einem Fahnenträger. Aufgrund ihrer Uniform erkennt man sofort, dass es sich um Soldaten aus der Zeit des Preußenkönigs Friedrichs des Großen handeln muss. So marschierte mit den Gardisten auch die Erinnerung an die Zeit preußischer Größe im 18. Jahrhundert um 1905 mit in den Haushalt von Ehrenreich Vöhringer ein. Der Geislinger Stadtschultheiß erwarb die Zinnsoldaten für seine Kinder. Als Hausvater einer gut bürgerlichen Familie entschied er sich dabei für ein Qualitätsprodukt. Während man anderswo Zinnfiguren im Privaten noch selber goss, griff Vöhringer auf die Packung mit „extra feinen massiven Zinn-Compositions-Figuren“ der Firma Gebrüder Heinrich zurück. Sie zählte zu den bedeutendsten Herstellern von Zinnfiguren rund um die Spielzeug-Metropole Nürnberg. Die stets noch farblos gelieferten Figuren wurden nach dem Kauf in Heimarbeit mit dem Pinsel lackiert, was noch heute sichtbare Farbnasen und manch verlaufenes Soldatengesicht erklärt. Demgegenüber zeigen die Figuren kaum Gebrauchsspuren und auch alle filigranen Gewehrläufe sind noch an Ort und Stelle. Es wurde offenbar kaum mit ihnen gespielt, weshalb sie sich heute, ebenso wie die erhaltene Originalverpackung, in einem sehr guten Zustand befinden. Schon hierdurch eignen sie sich zur Nominierung als Objekt des Monats. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, wie der deutschlandweit um 1900 gefeierte Glanz und Gloria Preußens auch das schwäbische Geislingen erreichte. Wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg fand auch hier der Militarismus in Spielzeugform den Weg in den privaten Raum.

Die Zinnsoldaten sind noch bis zum 1. November 2026 im Rahmen der Sonderausstellung „Geislinger Spielzeugwelten“ auf der Sonderausstellungsfläche im dritten Obergeschoss des Alten Baus zu sehen.

 

Zinnsoldaten: Preußische Gardeinfanterie

Gebr. Heinrich Fürth, um 1905

Museum im Alten Bau