März 2026

Mit „Frauenlob“ in der Waschküche unter Druck

Manche Haushaltsgeräte sind heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Hierzu zählen Waschmaschinen und Wäschetrockener, die stets weiterentwickelt wurden und werden. Andere Geräte fanden nur vorrübergehend Absatz und Verbreitung. Zu ihnen zählen Wäschepressen.

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte zum Waschen von Wäsche der Einsatz von holzbefeuerten Waschkesseln, das Schrubben und Auswringen der nassen Textilien per Hand und das Aufhängen auf Wäscheleinen. Ab den 1930er Jahren wurden immer neue Ideen weiterentwickelt, die diese Arbeitsschritte vereinfachen sollten. Wurden bald elektrisch betriebene Waschmaschinen angeboten, so konzentrierte sich die Firma Karl Glemser aus Stuttgart-Untertürkheim auf das Trocknen der Wäsche. Aus einer mit Muskelkraft per Spindel betriebenen Wäschepresse entwickelte man noch vor dem Zweiten Weltkrieg eine Presse, die ohne Anstrengung und auch ohne elektrischen Strom Wasser aus Textilien drückte. Auch das Objekt des Monats März, das Mitte der 50er Jahre unter der Marke „Frauenlob“ erschien, funktioniert nach einem einfachen und kraftsparenden System. Die heiße und nasse Wäsche wird in einen innenliegenden Korb der zylinderförmigen Maschine gelegt. Nach dem Schließen des druckfesten Deckels wird der seitliche Anschluss an die häusliche Wasserversorgung per Handrad geöffnet. Nur der Leitungsdruck von „2,5 bis 5 atü“ schiebt einen Kolben gegen die im Inneren befindliche Wäsche. Diese wird so komprimiert und das Wasser zum schnabelförmigen Ausguss an der Oberseite der Presse herausgedrückt. Wenn hier nur tropfenweise Wasser austritt ist der Pressvorgang beendet. Nach Ablassen des „Druckwassers“ kann der Deckel geöffnet und die Wäsche entnommen werden. Das Prinzip war funktionell und insbesondere in damals noch nicht ungewöhnlichen Waschküchen ohne Stromanschluss praktikabel. Das durch den Raum laufende Wasser aus dem Ausguss störte in diesen, meist ohnehin feuchten Räumen mit zentralem Bodenablauf noch nicht. Gleichzeitig waren Wäschepressen nicht annähernd so effizient wie elektrisch betriebene Wäscheschleudern, die sie bald verdrängten. Auch in Untertürkheim fertige man unter dem Namen „Frauenlob“ parallel Wäscheschleudern mit immer größeren Absatz, sodass Wäschepressen ab den 1960er Jahren allmählich aus den Haushalten verschwanden und häufig den Weg ins Alteisen fanden.

Die gezeigte Wäschepresse ist hingegen neuwertig und war nie im Einsatz. Sie diente über Jahrzehnte als Werbeträger im Schaufenster des Sanitärgeschäfts Neuhäuser in der Längentalstraße. Hier stand sie zunächst neben der Konkurrenz der Wäscheschleudern und sah auch deren Verschwinden gegenüber immer moderneren Wäschetrocknern, die heute alle Aufgaben der schnellen Trocknung übernommen haben.

Wäschepresse der Marke Frauenlob

Karl Glemser GmbH Stuttgart-Untertürkheim

um 1955