Objekt des Monats

November 2021

Totenkranz

Mit dem November beginnt die kalte Jahreszeit: Die Tage werden kürzer, die Temperaturen kälter und die Menschen ziehen sich zunehmend in ihre warmen Stuben zurück. Im Herbst, in der sich auch die Vergänglichkeit der Natur offenbart, gedenken die Christen an Allerheiligen (1. November), und die Katholiken zusätzlich noch an Allerseelen (2. November), ihrer Heiligen, Märtyrer und Verstorbenen. Ende November begehen die Protestanten zudem am Sonntag vor dem ersten Advent den Totensonntag (oder Ewigkeitssonntag), der das Ende des Kirchenjahres markiert. Auch im säkularen Bereich wird im November in Deutschland während des staatlich festgelegten Volkstrauertags der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht.

Das Totengedenken ist seit jeher ein fester Bestandteil aller Kulturen und drückt sich auf verschiedene Arten aus. Auch das Memorialwesen ist dabei gewissen Modetendenzen unterworfen, wie es das aktuelle „Objekt des Monats“ bezeugt. Es handelt sich um einen Totenkranz, wie er häufig in bürgerlichen Haushalten des 19. Jahrhunderts zu finden war. Damals war es üblich, derlei Wandschmuck im Wohnzimmer in Erinnerung an geliebte Angehörige anzubringen.

Eine mit Samt überzogene und von einem schwarzen Rahmen eingefasste Fläche bildet die Grundlage für weiße Sterne, Palmenzweige und Kreuze sowie für die Aufschrift „Katharina . 1884 . Ruhe sanft“. Die Palme, wie auch das Kreuz, stehen in der christlichen Symbolik für die Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben nach dem Tod. Die gewählte runde Form dieses Bildes erinnert an Todeskränze und steht für die Ewigkeit und Unendlichkeit. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hin waren Blumenkränze Säuglingen, Kindern oder jung verstorbenen Ledigen als Grabbeigabe vorbehalten und wurden ihnen in den Arm oder wie eine Krone neben den Kopf gelegt. Auch die einzige Jahreszahl im Rahmen lässt vermuten, dass es sich hier um ein Baby handelt, das in seinem ersten Lebensjahr verstarb. Im 19. Jahrhundert war die Kindersterblichkeit noch recht hoch – eine Situation, die sich erst mit besseren hygienischen Bedingungen und steigender medizinischer Versorgung bessern sollte. Auch die weißen Kunstblumen – ein Beiwerk, das man bei Hausierern erwerben konnte – verstärken den Eindruck, dass es sich bei Katharina um ein kleines Kind gehandelt haben muss, da die Farbe Weiß für Unschuld und Reinheit steht.

Derlei Totenkränze wurden meist von örtlichen Schreinern angefertigt, die aus Holz filigrane und kunstvolle Motive und Buchstaben schnitzten. Auch war es üblich, Haar des Verstorbenen zu kunstvoll gearbeiteten Blumen einzufügen. Im Falle dieses Geislinger Totenkranzes besteht die innere Verzierung aus bereits erwähnten Stoffblumen und einem Schriftzug und Symbolen aus Elfenbein. Der Totenkranz ist damit ein Beleg für dieses Traditionshandwerk der Stadt.

Der Totenkranz ist im ersten Stock des Museums im Alten Bau, in der Abteilung Frömmigkeit und kirchliche Praxis zu sehen.

Der Totenkranz
Herstellungsort/-jahr: Geislingen an der Steige, 1884
Material: Holz (Rahmen), Samt, Elfenbein, Stoff und Draht (Blumen)

Inv.-Nr.: 3347

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